Indolenz

Schmerz verändert Menschen, aus manchen macht er gewissermaßen Monster, skrupellos, gefühlslos, taub. Bösartige Wesen, die teilweise sinnlos andere verletzen, nur um diesen Schmerz zu verbreiten, wie eine Epidemie.

Andere stärkt er, er lässt sie stärker an das Gute glauben, er lässt sie offener Leben, gibt ihnen Kraft weiter zu machen. Ja, es gibt diese Menschen, die nach jedem Rückschlag stärker und besser werden.

Doch was wird aus den Menschen, die sich in dieser Zwischenzone befinden?

Es gibt nicht immer diese beiden Extreme, es gibt diese eine gewisse Grauzone, Menschen, die durch Schmerz sowohl besser, als auch dunkler werden. Ihr Licht scheint heller als vorher, doch genauso größer werden auch die Schatten, die sie werfen.

Man sucht einen Ausweg, etwas, in dem man diesen Schmerz verarbeiten kann und gleichzeitig als besserer Mensch aus diesem eigenen Untergang wie ein Phönix aus der Asche wieder aufzusteigen.

Der Schmerz klingt tatsächlich mit der Zeit ab, er lässt nach. Er geht weg. Und er kommt nicht wieder. Er ist wie komplett ausgelöscht.

Niemand wird mich je wieder verletzten.

Dieser Satz tritt immer wieder auf, man verbannt diese Art von Schmerz. Er ist nicht mehr existent. Gewissermaßen stirbt ein bestimmter Teil der eigenen Emotionalität ab.

Natürlich geht man leichter durch das Leben, man ist schmerzlos. Man ist offen und lebt viel intensiver und glücklicher. Man ist im großen und ganzen glücklicher.

Doch es gibt die Schattenseite dieser Methode.

Irgendwo stirbt ein Teil der eigenen Emotionalität ab, zumindest temporär. Ich glaube, dass mit der Zeit dieser Teil wieder zum Leben erwachen kann. Doch es braucht Zeit. Und in dieser Zwischenzeit füllt man diesen Teil mit etwas, das dem Schmerz gleich wird.

Es tut einem nicht weh, aber es ist diese dunkle Seite des eigenen selbst. Man hält es aufrecht, ohne zu wissen warum überhaupt. Man fängt an Dinge zu tun, von denen man früher schockiert oder selbst abgeschreckt wäre. Vielleicht genau die Dinge die einen verletzt haben. Denn man braucht das. Das Szenario umgedreht, um zu verstehen, warum man selbst davon verletzt worden ist. Vielleicht auch um einen Ausgleich im eigenen System zu schaffen. Zu wissen, wie es sich anfühlt. Zu wissen, warum man all dies tut.

Ich glaube man findet auf diese Weise einen Teil vom eigenen Selbst. Doch hier droht man sich selbst zu verlieren, denn diese Sucht frisst einen auf. Sie wird ein Teil von Dir.

Man muss wissen, wann es gilt aufzuhören.

Doch wann ist dieser Punkt? An dem Punkt, an dem man ohne diesen Ausgleich nicht mehr leben kann ist es zu spät. Man zerstört sich gewissermaßen Selbst. Man gibt sich selbst diesen alternativen Schmerz, der nicht weh tut. Und doch verletzt er einen.

Denn es ist nicht was wir sind.

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