Heimat

Was ist eigentlich Heimat? Was bedeutet sie, was macht sie aus?

Heimat ist kein Ort, es ist ein Gefühl.

Normalerweise erkläre ich ja immer alles in etwas professionell formulierten Texten, die von der Art ihrer Verfassung her aus einem Lehrbuch stammen könnten… Dem wohl ominösesten Lehrbuch aller Zeiten. Halt aus dem realistischen Leben.

Aber diesmal glaube ich ist es einfacher wenn ich einfach meine Heimat mal beschreibe…

Ist wohl eine Frage die viele sich mal gestellt haben, wie jemand wie ich eigentlich tagtäglich lebt…

Eigentlich war heute echt ein verdammt normaler Tag, klar, fing natürlich erstmal mit dem harten Erwachen an. Müde, verpeilt und überhaupt nicht ansprechbar hab ich mich wie jeden Morgen aus dem Haus gequält – chronischer Montag würde ich sagen. Wie im Wahn irgendwie den Weg zum Bahnhof gefunden, wie meistens hatte ich noch ein paar Minuten Zeit. Erstmal eine Rauchen, wie andere morgens ihren Kaffee brauchen brauche ich wohl die Zigaretten.

Vor der 2. Zigarette bitte nicht ansprechen!

Ja so ein bissjen bekloppt bin ich halt auch. Mit dem Zug eine Haltestelle bis in die Nachbarstadt. 10 Minuten Fußweg bis ins Büro, bei der Gelegenheit Zigarette Nr 2.

Auf der Arbeit dann angekommen bin ich wach. Nüchtern lächelnd mit einem „Gemorje“ komm ich die Tür rein. Tasche abstellen, PC hochfahren, Ablage checken, loslegen. Meist klingelt bei der Gelegenheit schon das Telefon. Aber ich rede ja gern mit Menschen… Den meisten zumindest.

Der Morgen verfliegt echt schnell. Zack schon Mittagspause. Mit der Kollegin wie immer dieselben zynisch-lachhaften Gespräche, über Männer, Freunde, Wochenenderlebnisse, Arbeitsereignisse… Der Arbeitstag wird angenehm.

Dann erstmal raus, bissjen frische Luft. Im Kaufland noch vorbei gegangen, brauch noch paar kleine Sachen für Zuhause.

Auf dem Rückweg kommt mir die Kollegin schon entgegen. Wir lachen, wie so oft.

Zurück in der Firma geht der Nachmittag noch schneller rum, Telefongespräche mit Versicherungen, Schriftverkehr mit Kunden, der Ersatzteilehandel ist heute mal etwas ruhiger. Noch etwas meine Rechnungsliste pflegen, kurze Absprache mit der Kollegin aus der Buchhaltung. Und plötzlich schon halb 5. Ich mach noch schnell die Post fertig und haue ab. Liefere auf dem Weg zum Bahnhof gerade noch die Post ab und zurück in den Heimatort.

Doch gibt es überhaupt diesen einen Heimatort?

Heimat ist kein Ort, es ist eher das Gefühl an diesem Ort Zuhause zu sein. Ich versuch es Euch mal praktisch zu zeigen…

Dort angekommen erstmal in meine Stammkneipe, Kaffee trinken. (ehrlich dort der Kaffee ist Weltklasse, der einzige den ich so trinken kann)

Ich komme runter, entspanne langsam. Von der anderen Seite der Theke werde ich angesprochen „Hallo Daniel, na alles klar?“

Ja mich kennt in diesem Dorf mit ca 18 000 Einwohnern fast jeder. Is wohl normal wenn man die Oberschwuchtel vom Lande ist (lach)

Viele davon waren zu meinen Gastronomiezeiten auch Stammgäste von mir… Es ist immer schön zu sehen wie sehr Dich die Leute doch wertschätzen ohne Dich doch wirklich zu kennen. Das mag ich hier

Nach dem zweiten Kaffee verschwinde ich dann mal nach Hause. Etwas entspannen, mit dem Kater im Garten die Gedanken baumeln lassen, einfach runter kommen. Wie immer Musik im Hintergrund.

Plötzlich ist es schon 20 Uhr. Zeit mal was zu essen. Schon seit meiner Mittagspause habe ich unheimlich Lust auf nen frischen leckeren Salat.

Also verschlägt es mich zum Italiener. Die Tür rein lächelt mir schon die Bedienung zu. Sie hat mich als Kind immer schon mehr verwöhnt als wohl angebracht war… Heute ist sie in der Küche, verspricht mir schon was tolles zu zaubern.

Hingesetzt, was ich trinke? Meine Roséschorle, eigentlich wie immer. Der Salat schnell bestellt und genießen. Ich mag es, gerade weil ich selbst den Job mal gemacht habe weiß ich es umso mehr zu schätzen mal bedient zu werden.

Der Salat ist genau das was ich wollte – perfekt.

Nach dem Essen haue ich dann schon direkt ab, zurück in meine Stammkneipe. Müde bin ich überhaupt nicht, und wozu nach Hause wenn dort eh niemand auf mich wartet mit dem ich über meinen Tag reden kann, meine Gedanken, meine Gefühle, mein Leben einfach.

Die Bedienung lächelt mir zu, heute gibt’s mal Sekt, mir ist nach was prickelndem. Und am Tisch sitze ich und denke nach, nein, ich trinke nicht exzessiv, ich rede nicht mit irgendjemandem, auch wenn jeder der hier anwesenden mich kennt und mir bei jedem Blick zulächelt. Aber sie wissen, dass ich gerade meine Ruhe möchte, sie kennen mich.

Ich genieße mein Glas Sekt und die Gedanken sind wieder sehr laut gerade. Aber ich fühle mich wohl, alleine in der Menge.

Ich könnte direkt mit jedem hier irgendein Gespräch beginnen, aber gerade bin ich für mich. Genieße meinen Abend für mich. Heute bin ich meine eigenen Begleitung.

Und so schreibe ich diesen Text, genau jetzt fühle ich mich Zuhause. Ich sitze hier alleine, bin doch nicht alleine, werde verstanden ohne ein Wort zu sagen. Es ist ein Gefühl das nicht ganz einfach definierbar ist.

Aber es ist meine Heimat, nicht dieser Ort, nicht diese Menschen, nicht der Job, nicht die Freunde, nicht die Wohnung, nicht die Kneipen und ihre Zugänglichkeit.

Es ist das alles in Kombination zusammen.

Es ist die Ausgeglichenheit, das alles erdet mich. Und egal was passiert, ich weiß auf meine Heimat kann ich mich immer verlassen.

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